Hautnah
Young Mission

Den Durst der Menschen stillen

Katechese von Stephan Schröder

von
Diözesanjugendpfarrer
Stephan Schröder

Liebe jungen Freunde in Christus!

Der Mensch besteht zu gut 70 % aus Wasser. Jeder Mensch muss mindestens 2 Liter Wasser pro Tag trinken, um nicht zu dehydrieren. Ein Verlust von 15 % Körperflüssigkeit kann sogar zum Verdursten führen. Gesunde Menschen können sogar gut 30-60 Tage ohne Nahrung überleben, wenn Sie genügend Wasser aufnehmen. Ohne Wasser kann man nur gut 2-3 Tage überleben.

Wasser ist für uns Menschen also überlebenswichtig. Da wundert es nicht, dass es kein Wort für das Gefühl gibt, nicht mehr durstig zu sein. Wir wissen also: Wenn man nicht mehr hungrig ist, dann ist man satt. Wie nennt man aber den Zustand, wenn man nicht mehr durstig ist? In allen Sprachen dieser Welt gibt es dafür kein eigenes Wort.

Wie nennt man aber den Zustand, wenn man nicht mehr durstig ist?

Im Jahre 1999 veranstaltete daher die Redaktion des Duden in Zusammenarbeit mit dem Getränkehersteller Lipton einen Wettbewerb: Wie heißt das Gegenteil von durstig? Es gingen ca. 45.000 Vorschläge ein. Manche verwiesen darauf, dass es für den Zustand, in dem der Mensch keinen Durst mehr hat, im Mittelalter den Begriff „wamp“ gab. Andere schufen ein Kunstwort: „nimedu“ für „nicht mehr durstig“. Ausgewählt wurde schließlich der Begriff „sitt“. Der Begriff hat sich aber, wie wir heute wissen, im Sprachgebrauch nicht durchgesetzt. So lebt unsere deutsche Sprache mit einer Lücke, die vielleicht eine sachliche Begründung hat. Vielleicht kann der Mensch den Zustand tatsächlich nicht erreichen, in dem er keinen Durst mehr hat.

Vielleicht liegt das daran, dass wir nur ganz selten „sitt“ sind. Trinken kann man fast immer – wenn man einmal von alkoholischen Getränken absieht. Aber wer zuviel Alkohol getrunken hat, der ist nicht „sitt“, sondern blau.

Stephan Schröder hielt die Katechese

Liebe junge Christen!

Durst ist offensichtlich etwas, das durch das Trinken nur kurz unterbrochen wird – im Gegensatz zum Essen.

Satt sind wir öfter, ein angenehmes Gefühl, das träge und zufrieden macht. Wer satt ist, der möchte am liebsten die Beine ausstrecken und so bleiben, wie er ist.

Wer sitt ist, der ist ganz im Gegenteil erfrischt, voller Schwung und neuem Leben. Der kann sich auf den Weg machen.

Der Begriff Durst oder durstig durchzieht sogar die Bibel. 54 Mal kommen die Begriffe in der Bibel vor. So z.B. Psalm 42,2: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser so lechzt meine Seele Gott nach dir.“ Oder in Psalm 63,1-4: „Gott, du mein Gott, dich suche ich. Meine Seele dürstet nach dir. Nach dir schmachtet mein Leib wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser. Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum, um deine Macht und Herrlichkeit zu sehen. Denn deine Huld ist besser als das Leben. Darum preisen dich meine Lippen.“

Die Psalmisten wissen um die Bedeutung von Durst und Wasser, ist es doch eine Frage des Überlebens, gerade in dem Gebiet des Hl. Landes, des heutigen Israels. So wird das Phänomen Durst und Wasser zu einem Bild für die Sehnsucht nach Gott!

So wie unser Körper das Wasser zum Überleben benötigt, also gut 2 Liter pro Tag, so benötigt aus unser Glaube das Wasser des Lebens.

Es gibt so viele Menschen, die innerlich vertrocknen, die ihre Kraft und Energie aus Dingen ziehen, die zwar satt machen, aber nicht den Durst nach Glück und Erfüllung löschen.

Ihr seid hier, weil ihr Durst habt nach Gott, weil ihr mehr wollt, weil ihr lebendige junge Christen sein wollt. Ihr dürft von dem Wasser kosten, welches nur Gott schenken geben kann.

Bei der Szene am Jakobsbrunnen kommt auch Jesus müde und durstig. Jesus bittet eine samaritische Frau ihm etwas zu trinken zu geben. Im Gespräch verdeutlicht Jesus der Frau, dass jeder, der aus seiner Quelle schöpft nie wieder Durst bekommen wird, vielmehr wird es in jedem zur sprudelnden Quelle werden. Jesus weiß also um die Bedeutung des Wassers und er gibt es uns als Bild für die Beziehung zu Gott.

Der Bischof von Erfurt, Joachim Warnke, hat in diesem Zusammenhang einmal gesagt: „Die Kirche in Deutschland krankt nicht an den zurückgehenden Katholikenzahlen, sie krankt nicht an den zurückgehenden Finanzen, sie krankt an der fehlenden Überzeugung, Christen für unseren Glauben gewinnen zu können.“

Jesus ist also wie ein Erst-Helfer, der die Not wahrnimmt, der sie berührt und wieder zum Leben ermutigt.

Es gibt auch biblische Heilungsgeschichten, wo Jesus Menschen in ihrer Not wahrnimmt. Da ist z.B. die Heilung eines Taubstummen. Im MK-Ev (7,31-37) hören wir von einem Taubstummen, der zu Jesus gebracht wird. Man bat ihn, dass er ihn berühren möge in seiner Not. Jesus legte ihm die Finger auf die Ohren und berührte die Zunge mit seinem Speichel und sagte „Effata“, das heißt „Öffne Dich!“. Sogleich konnte der Taubstumme wieder hören und reden. – Diese Erzählung macht uns deutlich, dass Jesus Menschen in Not unter die Haut gehen möchte. Im übertragenen Sinne könnte man das auch so deuten, wem Jesus unter die Haut geht, der öffnet sich für eine neue Wirklichkeit, der öffnet sich neu dem Leben. Und Jesus weiß um die Kraft der Berührung, er weiß um die Kraft seiner Worte. Jesus ist also wie ein Erst-Helfer, der die Not wahrnimmt, der um Hilfe suchende Menschen ernst nimmt, der ihnen beisteht, sie berührt und wieder zum Leben ermutigt.

Die Kirche beruft sich beispielsweise bei der Krankensalbung auf folgende Bibelstelle im Brief des Jakobus: „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“ (Jak 5,14-15)Der Priester salbt Stirn und Händoberflächen eines Kranken mit den Worten: Stirn: „Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des Heiligen Geistes.“ – Handoberflächen: „Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf.“

Vielleicht krankt unsere Kirche in Deutschland daran, dass wir satt sind, dass wir träge geworden sind, dass wir nicht mehr durstig sind. Denn wer seinen Durst durch Jesus Christus stillen lässt, wer selbst zur einer lebendigen Quelle des Glaubens geworden ist, der braucht sich nicht vor einer langen Wüstenwanderung zu fürchten. Vielleicht sind wir Christen in Deutschland zu müde geworden, um sich den Herausforderungen Gottes zu stellen. Allein mit Strukturreformen und kirchenpolitischen Diskussionen werden wir zumindest die Quellen unseres Glaubens nicht entdecken –

Liebe jungen Freunde in Christus! Wo finden wir also die Quelle, die diesen Durst nach Gott stillen kann?

Die Kirche schenkt uns sieben Quellen aus denen wir schöpfen können. Es sind die sieben Sakramente. Eine Quelle davon ist die Taufe! In das Wasser dieser Quelle sind wir alle eingetaucht worden von Kopf bis Fuß, um das lebendige und erfrischende Wasser Gotte zu spüren und zu empfangen.

Jesus verkündet es der Frau mit den Bildworten: „Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“

Als Getaufte sollen wir also selbst zu einer sprudelnden Quelle werden für all die Menschen, deren Leben zu vertrocknen droth, die Durst haben nach Gott, nach Erfüllung und Glück.

Ihr seid gesalbt und auserwählt, um selbst zur lebendigen Quelle für die Menschen dieser Welt zu werden. Wisst ihr eigentlich wie wertvoll ihr seid?! – Es gibt so viele Menschen, die diese Quellen, Menschen wie Euch suchen und nicht finden. Unsere Gesellschaft ist wie eine Wüste, wo ihr lebendige Quellen des Glaubens seid, damit Menschen nicht verdursten!

Das ist Eure MISSION – In Euch entspringt eine lebendige Quelle des Glaubens – Stillt den Durst der Menschen mit Eurem lebendigen Wasser! – Wir werden Euch heute eine Flasche mit Weihwasser schenken, es ist das Wasser, das aus der Quelle Gottes stammt, einer nie versiegenden Quelle. Taucht immer wieder in dieses lebendige Wasser ein, bekreuzigt euch mit diesem lebendigen Wasser, damit ihr selbst immer wieder zur lebendigen Quelle für andere Menschen werdet! – Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika „Evangelii Gaudium“ zur Mission aufgerufen. In Rio de Janeiro hat er beim WJT den Jugendlichen zugerufen: „Ihr seid die besten Missionare eurer eigenen Altersgruppe“. Und auch in der Bibel werden Menschen zur Mission aufgerufen: So gehorchte Mose dem Ruf Gottes: „Geh! Ich sende Dich!“ (Ex 3,10). Zu Jeremia sagte Gott: „Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen.“ (Jer 1,7). Jesus selbst sagt: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern!“ (Mt). – Mit YOUNG MISSION übernehmen wir diesen göttlichen Auftrag: Den Durst der Menschen nach diesem lebendigen Wasser zu stillen! Amen.

YOUNG MISSION – eine Initiative junger Christen –
wird organisiert und betreut von Diözesanjugenpfarrer Stephan Schröder und Team
im Jugendhaus Hardehausen, der Jugendbildungs- und Begegnungstätte des Erzbistums Paderborn
Abt-Overgaer-Straße 1 | 34414 Warburg | info@go-hdh.de | www.go-hdh.de